Premiere zum 5. Jahrestag Fukushima mit Claudia Kemfert


Premiere des neuen Films in Bremen, City 46
Premiere des neuen Films in Bremen, City 46

Gast des mit dem BUND und weiteren Partnern veranstalteten Premierenabends des neuen Film "Power to Change – Die EnergieRebellion" von Carl.-A. Fechner war Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), eine der profiliertesten Energieexpertinnen Deutschlands.  Einhellige Meinung vor (fast) ausverkauftem Haus: Am 5. Jahrestag der Katastrophe von Fukushima ist der Film ist ein echter Mutmacher für die Energiewende und liefert den Beweis: 100% erneuerbare Energie sind schon jetzt möglich. Die Energiewende ist unumkehrbar. Und sie ist auch echte Friedenspolitik: POWER to CHANGE zeigt eindrucksvoll die Hintergründe des Krieges um fossile Energien am Beispiel der Ukraine. Wir wünschen dem Film ein großes Publikum! Weitere Vorführungen in Bremen sind am 8. April und am 11. April, jeweils im City 46 um 18 Uhr.

Interview mit Claudia Kemfert


Prof. Dr. Claudia Kemfert, ©Roland Horn
Prof. Dr. Claudia Kemfert, ©Roland Horn

BEGeno lädt ein zur bundesweiten Premiere des neuen Films Power to Change – Die EnergieRebellion von Carl.-A. Fechner am 11. März um 18 Uhr in Bremen im City 46. Gast des mit dem BUND und weiteren Partnern veranstalteten Premierenabends ist Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), eine der profiliertesten Energieexpertinnen Deutschlands. Für BEGeno hat Prof. Kemfert ein Interview zum Stand der Umsetzung der Energiewende und der Bedeutung von Bürgergenossenschaften gegeben. Frau Kemfert sagt: Die Energiewende „von unten“ schafft nicht nur wirtschaftliche Chancen, sondern erhöht ebenso die Akzeptanz für die Energiewende und verbessert so die Demokratie. Die „Bürgerenergiewende“ ist eine tragende Säule einer erfolgreichen, partizipativen und demokratischen Energiewende.

 

BeGeno: Am 11. März ist der 5. Jahrestag der Katastrophe von Fukushima: Ist die Energiewende (EW) auf einem erfolgreichen Weg?

Prof. Claudia Kemfert: Der Anteil erneuerbarer Energien ist auf knapp 30 Prozent gestiegen, der Anteil von Atomenergie wird in den kommenden Jahren auf Null sinken. Das ist zumindest ein Erfolg. Leider sind noch immer zu viele Kohlekraftwerke am Netz. Kohlekraftwerke passen nicht in eine nachhaltige Energiewende, sie produzieren zu viele Treibhausgase und sind zu inflexibel in der Kombination mit erneuerbaren Energien. Außerdem ist der hohe Anteil von Kohlestrom für den Stromangebotsüberschuss verantwortlich. Wir schwimmen im Strom und verramschen ihn an der Börse. Wir sollten so rasch wie möglich den Kohleausstieg einleiten, um den Markt zu bereinigen und die Strompreise zu stabilisieren. Zudem wird zu wenig im Bereich der Energieeffizienz und nachhaltiger Mobilität getan. Der Weg kann somit erfolgreich werden, wenn die Energiewende beherzt umgesetzt wird.
 
Hoher Anteil Kohlestrom, niedrigste Strompreise: Wo sind vor diesem Hintergrund die wichtigsten Stellschrauben, damit die EW wieder (mehr) Schwung bekommt?

Prof. Claudia Kemfert: Der Kohleausstieg sollte so schnell wie möglich begonnen werden. Zudem sollte man die übereilte Einführung von Ausschreibungen überdenken, um die Energiewende nicht abzuwürgen. Wichtig ist zudem das Energiesparen, sind die Investitionen in Energieeffizienz vor allem im Gebäudebereich. Aber auch die nachhaltige Mobilität ist zentral, der „Diesel-Skandal“ hat einmal mehr deutlich gemacht, dass der wirtschaftliche Schaden groß sein kann, wenn man auf ein rückwärtsgewandtes Management setzt. Dabei wären die wirtschaftlichen Chancen enorm groß, diese sollte man unbedingt ergreifen.

Die Bürger Energie Genossenschaft Bremen (BEGeno) entwickelt erneuerbare Energieprojekte und wird künftig auch Bürgerstrom anbieten - wie wichtig sind Bürgerprojekte für das Gelingen der EW?

Prof. Claudia Kemfert: Sie sind ein Baustein, ein wichtiger Baustein. Denn die Energiewende „von unten“ schafft nicht nur wirtschaftliche Chancen, sondern erhöht ebenso die Akzeptanz für die Energiewende und verbessert so die Demokratie. Die „Bürgerenergiewende“ ist eine tragende Säule einer erfolgreichen, partizipativen und demokratischen Energiewende.

Frau Prof. Kemfert, Sie sind eine der "Hauptprotagonisten" des Kinofilms "Power to Change". Warum haben Sie sich an dem neuen Filmprojekt von Carl. A. Fechner beteiligt, und welchen Beitrag kann der Film zur Diskussion um die EW leisten?

 

Prof. Claudia Kemfert: Mir sind seit langem die öffentliche Diskussion einer erfolgreichen Energiewende wichtig. Ich habe im Jahr 2013 das Buch „Kampf um Strom“ veröffentlicht, um Mythen zu entlarven, die angebliche Energiewende-Freunde gezielt verbreiten, um die Energiewende zu diskreditieren, die erneuerbaren Energien zu stigmatisieren und so die Energiewende eher zu boykottieren als sie zu unterstützen. Der Film fokussiert zum einen auf die Mythen der Energiewende und die daraus resultierenden Konsequenzen, zeigt zum anderen aber auch die enormen Chancen die in der Energiewende liegen- und die man sich verbaut, wenn man die Energiewende behindert.